Architektur

Im März 1953 wurde der Architekt Olaf Andreas Gulbransson mit dem Plan für den Kirchenbau beauftragt. Diese Kirche, nach tiefsten Notzeiten entstanden, wurde bahnbrechend für eine neue, zeitgemäß moderne Epoche des Kirchenbaus.

Die Auferstehungskirche in Rottach-Egern entstand fast zeitgleich mit seiner ersten preisgekrönten Christuskirche in Schliersee, die 1953 eingeweiht wurde; 1955 war die Einweihung der Auferstehungskirche. Diese beiden Kirchen in seinem Heimatland waren der Anfang zu einem weltweiten Weg: In den kurzen Jahren, die ihm das Leben noch schenkte bis zu seinem Unfalltod 1961, hat er 33 Kirchen entworfen. Von diesen konnte er bis zu seinem Tod neun vollenden, zehn weitere befanden sich im Bau und elf waren so weit geplant, dass sein Mitarbeiter Architekt Karl Schwabenbauer sie „nahezu ganz in seinem Sinne“ ausführen konnte.

Seine Kirchen sind Spiegelbild seiner theologischen Konzeption für ein sakrales Bauwerk: „Die Architektur ist hier nicht Selbstzweck, sondern Erfüllen einer Aufgabe… Das Finden einer Form, die aus dem gottesdienstlichen Geschehen erwachsen muss… Das Liturgische als ein Kern des Kirchenbaues…“ Die Prägekraft des Kirchenraumes für den Gottesdienst war ihm wesentlich: „Eine Kirche bauen ist eine der schönsten Aufgaben“. Er ruht im Schatten seiner Auferstehungskirche im Egerner Friedhof neben der Grabstätte seines Vaters, des norwegischen Malers Olaf Gulbransson (1873–1958), dessen Werk im Gulbransson-Museum in Tegernsee geehrt wird.

Olaf Andreas Gulbransson hat den evangelischen Kirchenbau in der Nachkriegszeit maßgeblich beeinflusst, er war eine der großen Hoffnungen der damaligen Architekturszene. 1953 wurde der Grundstein für die Auferstehungskirche gelegt, am 24. Juli 1955 wurde sie feierlich eingeweiht.

 

Unsere Kirche ist Modell für das Bauprinzip des Architekten, von der einfachen Grundkonzeption des Grundrisses eine Fülle von Raumgestaltungen zu entwickeln. Das Dreieck – altchristliches Symbol des Dreieinigen Gottes – prägt die Auferstehungskirche vom Grundriss über den Aufbau bis zur Gestaltung des Inneren.

Das Betreten der Kirche durch das Hauptportal wird bestimmender Vollzug des Glaubensweges: Er führt unter dem Kreuzigungsgeschehen in den Kirchenraum mit dem dominierenden farbenprächtigen Glasfenster des Auferstandenen. Zu jeder der folgenden Beschreibungen lässt sich ein ikonografischer Bezug herstellen. – Der Grundriss besteht aus zwei aneinander gereihten gleichseitigen Dreiecken. Er hat in der Mitte seine größte Weite. Hier steht der Taufstein zentral, auf einem dreieckigen Bodenmosaik, dessen Spitzen die Richtung der Wege zum Altar und zu den beiden Seitentüren weisen; an die Schenkel des Bodendreieckes reihen sich die Bankblöcke.

Der über dem Grundriss erbaute Außenraum mit dem Dachverlauf und den Wänden zeigt wieder Dreiecksformen. Die Wandlaibungen um das Mittelportal hat Werner Lüdike mit einem Kieselsteinmosaik gestaltet; auf der linken Seite mit dem Symbol des Lebensbaumes, auf der rechten Seite mit dem Kreuz und im Bogen über der Tür mit dem Gottesauge als Zeichen für die Trinität – symbolisiert durch einen großen Korallenstein, den über Jahrtausende das Wasser des Lebens gerundet hat. Über dem Portal erhebt sich der niedere spitze Glockenturm. Das Äußere harmoniert mit der Landschaft, mit der Silhouette des Wallberges. Die über Jahre näher gerückte angrenzende Bebauung tritt jetzt zurück durch den neu gestalteten Kirchplatz. Er schafft wieder den würdigen Freiraum für das Gotteshaus.

Das Kirchenschiff als Zentralraum erhebt sich in klarer Geschlossenheit über dem Grundriss. Die ansteigenden Dachschrägen führen den Blick nach oben und lassen den Raum hoch erscheinen. Die Metallbinder, die das hohe Dach tragen, wirken nicht wie unerwünschte Bauelemente, sondern lassen durch ihre filigrane Struktur die große Dachfläche leicht erscheinen, aber gleichzeitig verlässlich bergend. Die Belichtung des Kirchenschiffes erfolgt durch Rundfenster von etwa einem Meter Durchmesser, in Augenhöhe seitlich über den Bankreihen; ihr Licht fällt dorthin, wo die Gemeinde es braucht, nämlich zum Lesen – Gulbransson ist der Erfinder dieses „Leselichtes“.

Von seiner ersten Kirche an bedeutete Gulbransson die Zusammenarbeit mit anderen Künstlern viel, sie übernahmen eine wesentliche Mitgestaltung seiner Konzeption, ihre Werke wurden nicht nachträglich eingefügt, das gemeinsame Wirken mit vertrauten Künstlern erinnert an die mittelalterlichen Bauhütten. Dominierend im Inneren sind die leuchtenden Glasfenster im Altarraum. Unmittelbar über dem Altar wird das Ausmaß des Grabes dargestellt. Es nimmt als horizontaler Erdraum in drei Teilen fast die ganze Breite des Altartisches ein. Darüber weist das hohe Fenster mit dem Auferstandenen in einer vertikalen Aufwärtsbewegung himmelwärts. Zuoberst erscheint das Trinitätssymbol – die Taube und im Dreieck das Auge Gottes. Die erhobenen segnenden Arme des Christus deuten das Kreuz noch an im Wandel seines christlichen Sinnes. Die beiden Fenster auf der rechten Seite zeigen die drei Frauen am Grab; im dritten Fenster kündet der Engel davon, dass das Grab leer ist. Auf der linken Seite oben sind im Rundfenster die Evangelisten-Symbole dargestellt, der Engel für Matthäus, der Löwe für Markus, der Stier für Lukas und der Adler für Johannes. Die auf das Auferstehungsfenster weisende Hand bezeugt die Botschaft der Evangelisten. Dieses Fenster befindet sich direkt über dem spitz zulaufenden Dach des runden Sakristei-Anbaues, über dem Ort der Sammlung des Geistlichen für den Gottesdienst und die Verkündigung des Evangeliums. Das Original-Rundfenster ist bei einem Sturm leider herausgebrochen und am Boden zerschellt; das heutige Fenster wurde in Anlehnung an alte Vorlagen… von der Firma … ausgeführt. Der Entwurf des Mittelfensters stammt von dem Glasmaler Josef Oberberger (1905–1994; 1945 wurde er als Nachfolger von Olaf Gulbransson zum Professor für Malerei und Grafik an der Akademie der bildenden Künste in München berufen) und Gulbransson unter späterer Mitarbeit von Arno Bromberger (Leiter der Glasmalerei-Werkstätte der Münchner Akademie), die drei rechten Seitenfenster und das linke Rundfenster gestaltete der Münchner Künstler Manfred Hollmann (1929–2012).