Liebe Gemeinde,

 

 

  

Liebe Gemeinde,
Autos werden in Menschenmengen gelenkt, Selbstmordattentäter zünden Bomben in Konzerthallen, Amokläufer wütenin Schulen und Einkaufszentren. Das Gefühl von Sicherheit geht verloren, unsere Welt scheint aus den Fugen zu geraten.
Und die Marktschreier mit den vermeintlich einfachen Antworten werden lauter und bekommen Zulauf. Nein, keine gute Entwicklung, die unser Planet da gerade nimmt.
Viele dieser Extremisten – egal ob sie nun Bomben werfen oder nicht – berufen sich auf einen „Gott“, in dessen Namen man kritisches Denken mit roher Gewalt bekämpfen darf. Mit den biblischen Namen für Gott hat so eine Haltung nichts zu tun, die klingen anders, zärtlich: Wunderrat, Ewigvater, Friedefürst, Tröster, Mutter, Heiland… - Gott ist die Liebe…, so steht es im 1. Johannesbrief.
„Liebe ist die Antwort“. Ob der Schreiber des Schildes an Gott glaubt, weiß ich nicht. Aber er glaubt daran, dass Liebe eine Macht ist, die Hass und Gewalt überwinden kann.
Vielleicht wäre „Liebe“ ja auch ein angemessener Begriff, wenn man das Wort „Gott“ übersetzen will in eine säkulare Sprache, um eine Ökumene derer zu begründen, denen die Menschen und die Welt am Herzen liegen?
Liebe: Nach unserem Glauben ist die Liebe so ein umfassendes Prinzip, dass Gott nicht nur ein bisschen Liebe macht und diese verteilt, sondern dass er selbst diese Liebe ist – ganz und gar. Deshalb ist sie ein guter Prüfstein, wie wir mit anderen Menschen umgehen: mit Offenheit und mit Vertrauen, oder mit Angst und Unsicherheit? Wie reden wir mit anderen und über andere? Aber sie hilft auch als Maßstab für alles, was andere von einem fordern: Ich muss nicht alles mitmachen, nicht jeden Tratsch weitertragen, mich nicht von der Fratze des Bösen verunsichern lassen: Alles, was der Liebe widerspricht, ist ungültig!
Im Namen der Liebe haben Menschen sich den Mächtigen widersetzt, dem Hass einen Spiegel vorgehalten, die Welt verändert. Und ja, hier wird auch unser Reformationsjubiläum relevant: Es sind auch wesentliche Erkenntnisse der Reformation, die all das begründen, was uns heute wichtig ist: Freiheit, Offenheit, Gleichberechtigung. Wie sehr entspricht das dem Gott, der zärtliche Namen trägt und der selber die Menschlichkeit gewählt hat als irdisches Gesicht.
Nein, wir lassen uns nicht verunsichern, nicht im Großen und nicht im Kleinen: Liebe ist die Antwort!
Eine gesegnete Sommerzeit, Ihr Pfarrer
Dr. Martin Weber