Führung

Fast unscheinbar an der Kisslingerstraße und dem Unnaweg in Egern liegt, unberührt vom Kurbetrieb und den Einkaufsstraßen, die Auferstehungskirche. Jenseits der Schule und Turnhalle grüßt hinter dem „Kirchenfriedhof" der schlanke, spitzbehelmte Turm der alten katholischen Pfarrkirche zum HL Laurentius.

Bereits das Dach der Kirche weist auf das Dreieck als Grundprinzip des Baues hin. Das Dreieck als Symbol der göttlichen Trinität taucht immer wieder in der Architektur dieser Kirche auf. Jede Dachfläche ist eine große, zum horizontal verlaufenden First aufsteigende Dreiecksfläche, die den Grundriss des ganzen Baues erkennen lässt.

Der Grundriss des gesamten Kirchenschiffes ist ein Sechseck mit abgestumpften Ecken. Von den Portalen her führen zwei Gänge zur Raummitte, wo im Zentrum, auf einem erweiterten Platz, der Taufstein steht – eine Anordnung, wie sie schon in frühchristlichen Kirchen gefunden wird. Der Taufstein steht in der Mitte eines Fußbodenmosaiks aus Klinkerplatten und Bachkieseln der benachbarten Weißach, das das gleiche Dreieck wiederholt, dessen Spitze zum Altar weist.

  

Am Taufstein erfährt das ungetaufte Kind seine Aufnahme in die Gemeinde, in deren Mitte es sich befindet. Der Täufling wird mit der Gemeinde zum Altar, dem Tisch der Gemeinschaft, gewiesen, das ältere Gemeindeglied aber an den Beginn seines Christenlebens erinnert. Als Glied des Leibes Christi wird jeder Getaufte in die Gemeinde aufgenommen, die ausgerichtet ist auf die Verkündigung und hingewiesen wird auf den Tisch, an dem die Gemeinschaft im Mahl mit Christus gefeiert wird. Vom Taufstein aus tritt man zur breit gelagerten Abendmahlsstufe, in deren Flucht die Kanzel steht.

Drei weitere Stufen führen zum Altar und zu den großen Farbfenstern. Die ansteigenden Wände und die Decke lassen den Raum weit größer erscheinen, als er ist. So steht die ganze Kirche unter der Ausdruckskraft der starkfarbigen Glasfenster mit der Gestalt des auferstandenen Heilands:

Er hat das geöffnete Grab unter sich gelassen. Er ist überlebensgroß, übermenschlich, göttlich geworden. Das Antlitz von der Gloriole umstrahlt, hebt sich Christus empor zum Heiligen Geist und Gottvater, die über ihm durch die Taube und das Auge im Dreieck angedeutet sind. Er hebt die Hände zum Vater und über seine Gemeinde zugleich.

An der rechten Wandseite schreiten in zwei hohen Fenstern die drei Frauen zum Grabe, nicht ins Ungewisse; sie haben ein Ziel: das an der Altarwand sichtbare Grab. Ihnen entgegen tritt der Engel, der Kunde gibt von Gottes Wirken: das Grab, die Stelle des Schweigens, ist leer. Anstatt zu dem trostlosen Ort des Klagens kommen die Frauen zur Begegnung mit dem Boten Gottes und zum lebendigen Gottessohn selber, wie die Gemeinde es immer wieder tut, wenn sie zum Abendmahl geht.

   

Die Botschaft des Engels wird aufgenommen im Farbfenster der linken Wandseite mit den Symbolen der vier Evangelisten (Engel = Matthäus, Löwe = Markus, Stier = Lukas, Adler = Johannes). Von diesem Bild deutet eine Hand zum Auferstandenen hin. Sie will sagen: Seht, wie es verkündet wird, „Er ist auferstanden". Diese für den gesamten Raumeindruck so bestimmenden Farbfenster sind ein Werk von Professor Joseph Oberberger, Arno Bromberger und Manfred Hollmann.

Unter ihrer Symbolik steht auch die Kanzel, von der aus der Prediger heute die Botschaft der Auferstehung verkündet. Kanzel und Altar ergänzen sich wirkungsvoll im Material und in der Formgebung. Auf dem Altar, in der Gestalt eines Abendmahltisches, steht das schlichte Bronzekreuz, ein Werk des Bildhauers Franz Mikorey.

An die Grundsteinlegung erinnert die Steintafel an der linken Altarwand: sie zeigt mit der Jahreszahl 1953 einen Fisch, ein altchristliches Symbol für Christus.

Die 1974 erbaute Orgel ist ein Werk des Orgelbaumeisters Hubertus von Kerssenbrock, München. Die beträchtliche Tiefenausdehnung der Empore bestimmte die Stellung des Instruments an der Brüstung. Das in einem schlichten  Holzgehäuse eingebaute Orgelwerk verfügt über Schleifladen, auf zwei Manualen und Pedal 14 klingende Register; die Spiel- und Registertraktur ist mechanisch.

  

Die Mosaiken von Werner Lüdicke an den Wänden des Hauptportals symbolisieren auf der linken Seite mit den sich nach oben öffnenden Zweigen des Lebensbaumes Glauben und Leben, auf der rechten Seite mit dem Kreuz den Tod. So weisen diese schon von außen auf eine Kirche hin. in welcher der auferstandene Herr verkündet wird.

Das Geläute im Turm besteht aus drei Glocken, gegossen 1958 vom „Bochumer Verein". Sie tragen dis Namen Glaube, Liebe, Hoffnung und sind mit ihren Tönen (dis - fis - gis) abgestimmt auf das Geläute der benachbarten katholischen Kirche.