Christuskirche

Die Christuskirche ist die älteste unserer drei Kirchen und befindet sich in der Hochfeldstraße 27, 83684 Tegernsee. Dahinter befindet sich das Pfarramt mit den Gemeinderäumen.

Am 28.9.1890 wurde dann ein „Protestantischer Kirchenbau-Verein" gegründet. Gründungsmitglieder waren u. a. Prinz Otto von Wittgenstein (der bis zu seinem Tode 1911, also über 20 Jahre lang, erster Vorsitzender war); der Fabrikant Haug aus Louisenthal (der bis zu seinem Tode 1908, also 18 Jahre lang, Kassierer des Vereins war); Gräfin Quadt-lsny; Baronin Reuchlin; Baron Wulffen; Dr. von Cube; Baronin Berckheim; Mr. Fawcett; Dr. Förderreuther (Schwiegersohn des Herrn Haug und sein Nachfolger als Kassierer).
Insgesamt waren es 78 Mitglieder bei der Gründung, In den Statuten steht als erster Zweck des Vereins;
„DerProt. Kirchenbau-Verein mit dem Sitz in Tegernsee hat den Zweck, die Erbauung einer protestantischen Kirche zu Tegernsee durch Sammlung von Beiträgen zu ermöglichen und unter Wahrung aller gesetzlichen Vorschriften durchzuführen."

  

Es wurden Beiträge erhoben, ein Basar veranstaltet, der Gustav-Adolf-Verein tat das Seinige; eine Landeskollekte in allen evangelischen Kirchen Bayerns wurde beantragt und auch der Kaiser spendete 1000 Mark. Dazu fanden sich vor allem unter den Mitgliedern der Gemeinde selbst viele Wohltäter. So wurden z.B. gestiftet: der Bauplatz, die Orgel und eines der großen bunten Kirchenfenster, die Glocken, die Kanzel, das Altarbild und ein großes Kirchenfenster, der Kirchturm, ein Kirchenfenster, die fünf Fenster im Altarraum.

Beim Erwerb des Bauplatzes „am Hoffelde" (daraus heute die „Hochfeldstaße“) gab es zunächst einiges Hin und Her, ein Grundstück wurde von dem Hotelier Kießling erworben, dann aber mit dem Nachbargrundstück auf Ersuchen des Holzhändlers Miller getauscht. Zunächst ließ der Vorstand einen Bauplan von dem Tegernseer Baumeister Hofmann entwerfen, der aber vom Landratsamt Miesbach abgelehnt wurde. Der Kreisbauassessor Reuter stellte schon bei einer Voranfrage keine Genehmigung in Aussicht, da die Pläne nicht von einem architektonisch gebildeten Techniker entworfen seien und den Anforderungen nicht genügten. Mit dem ablehnenden Bescheid wurde aber zugleich der königliche Hofbaumeister in München, Prof. Albert Schmidt, als geeignet benannt. Prinz Otto von Wittgenstein wandte sich daher an Prof. Schmidt, der sich bereit erklärte, Pläne zu entwerfen und den Kirchenbau zu übernehmen.

Am 23.8.1893 konnte schließlich die Grundsteinlegung gefeiert werden. Die Einweihung fand schließlich am 7. Oktober 1894 statt.

  

Typisch für die Zeit, in der die Kirche erbaut wurde, war die Tatsache, dass man bei Gebäuden, die Bedeutung für die Öffentlichkeit hatten, nicht an die unmittelbar vorausgehenden Baustile anknüpfte bzw. den Schritt in die Neuzeit auch baulich wagte, sondern statt dessen längst vergangene Stilepochen Wiederaufleben ließ und idealisierte.
Dem königlichen Professor und Baumeister Albert Schmidt aus München, damals schon ein renommierter Kirchenarchitekt, der u. a. auch die evangelische St.-Lukas-Kirche und die Synagoge in der Herzog-Max-Straße in München erbaute, gelang bei der Tegernseer Kirche eine Synthese zwischen romanischen und gotischen Elementen, aber auch zwischen traditioneller Handwerkskunst und Ingenieurtechnik (Dachstuhl).
Wenn man die reich gegliederte und doch einfach wirkende Giebelfassade betrachtet – der Turm ist ja seitlich am Schiff angeordnet – glaubt man italienische Einflüsse zu entdecken, die vielleicht von einer Studienreise des Architekten herrühren, ebenso bei dem von ihm entworfenen Altar, einer wertvollen Intarsienarbeit unter Verwendung von verschiedenen Marmorarten. Die Kirche wurde seit ihrer Erbauung dreimal grundlegend renoviert und dabei teilweise stark verändert.

1930 - Die glatten, farbig getönten Putzflächen der Wandfelder und die architektonische Fassadengliederung in Form von Lisenen, Gesimsen und Fenster-/Türeinfassungen aus unverputztem rotem Klinker-Sichtmauerwerk wurden gleichmäßig mit einem hellgrau gefärbten waagrecht strukturierten Rauhputz überzogen.
Für verfeinerte Fassadengestaltung und -gliederung, geschweige denn für Farbe war kein Verständnis da. Wie weit die Verrohung ging, wird aus der Tatsache ersichtlich, dass die Stützpfeiler an der Außenfassade (laut Kultusreferat für Kirchenbau „wertlos") entfernt wurden.

1959 - In dieser Zeit war der Historismus als unehrlich verpönt. Es herrschte der Geist des Bauhauses. Die Kunst lag in der Reduzierung, im Abstrakten. Figürliche Darstellung, Schmuck, Ornament galt als Ablenkung vom Wesentlichen. Man versuchte diesen Idealen gerecht zu werden durch:
-Schließung von drei Buntglasfenstern in der Apsis, um mehr Ruhe und Konzentration zu ermöglichen,
-zurückhaltendes, schmuckloses Farbkonzept, bei dem Grau und Weiß vorherrschend waren.
Ferner wurde bei dieser Renovierung auf Wunsch der Kirchengemeinde der Bankblock aufgeteilt, so dass ein überbreiter Mittelgang entstand, dem der Taufstein weichen musste. Die schönen, den Längswänden vorgelagerten Säulen wurden dabei im Sockelbereich zugebaut. Die Wandflächen zwischen den Säulen versah man leider mit einer unpassenden Holzverkleidung, um dem Kältegefühl zu begegnen.

1990 - Nach 100 Jahren seit der Erbauung hat man genügend Abstand gewonnen und damit Toleranz genug, das Gebäude wieder bejahen zu können.
Ziel der Renovierung war deshalb, neben der fälligen Instandsetzung das Originalkonzept wieder erlebbar zu machen. Dies ist geschehen.
-Außen: durch Wiederherstellung der ursprünglichen Putzstruktur und der originalen Architekturgliederung sowie der farblichen Gestaltung, soweit dies möglich war.
-Innen: durch Öffnen der zugemauerten Buntglasfenster im Altarraum, durch die Wiederherstellung des Bank-Mittelblockes mit seitlichen Gängen, durch die Platzierung des Taufsteins wie früher in der Mittelachse zwischen Altarraum und Gestühl, durch das Farbkonzept: auf Grund einer gründlichen Befunduntersuchung durch den Kirchenmaler Lauber aus Bad Endorf wurde überraschenderweise entdeckt, dass der „Ur"-Anstrich der Wände im Chorraum harmonisierend zu den Buntglasfenstern in kräftigem Ultramarin gehalten war und die Säulen in altrosa gefasst waren – einer Farbigkeit, die durchaus heute wieder aktuell ist – und durch das Beleuchtungskonzept, bei dem die technischen Möglichkeiten unserer Zeit genutzt wurden.

2008 - Leider wurde bei der Renovierung nicht alles wieder hergestellt. So bringt z.B. das Dach mit seinen immer noch originalen Ziegeln große Probleme mit sich - einige Träger sind sogar angefault. Durch Fehler bei der Wiederherstellung der Außenfassade ist der Zustand der Wände ebenfalls als problematisch zu bezeichnen. Hier hat es sich die Kirchengemeinde zur Aufgabe gesetzt, in den nächsten Jahren Abhilfe zu schaffen.